Hallo sagen? Dein Hund darf auch einfach weitergehen.
Kaum taucht beim Spaziergang ein anderer Hund auf, folgt oft schon die Frage: „Dürfen die mal Hallo sagen?“
Für viele Hunde wäre die ehrlichste Antwort: „Heute lieber nicht.“
Das ist weder unhöflich noch unsozial. Schließlich müssen auch wir Menschen nicht jeden Passanten umarmen, nur weil wir zufällig auf demselben Gehweg unterwegs sind. Für Hunde kann es eine wichtige soziale Fähigkeit sein, andere Hunde wahrzunehmen, ohne sofort Kontakt aufnehmen zu müssen.
Sozial sein bedeutet nicht, jeden zu mögen
Ein sozial kompetenter Hund muss nicht mit jedem anderen Hund spielen. Er darf Abstand halten, ausweichen, den Kopf abwenden oder sich an seinem Menschen orientieren.
Gerade an der Leine können direkte Begegnungen schwierig werden. Der Hund kann seinen Abstand nicht selbst bestimmen und hat nur begrenzte Möglichkeiten, einer unangenehmen Situation auszuweichen. Manche Hunde werden hektisch, andere frieren ein und wieder andere bellen lautstark. Das sieht dann schnell nach schlechtem Benehmen aus, ist aber häufig ein Zeichen von Aufregung, Unsicherheit oder Überforderung.
Unser Ziel sollte deshalb nicht sein, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Viel wichtiger ist, dass ein Hund Begegnungen bewältigen kann, ohne sich dabei unwohl oder hilflos zu fühlen.
Warum gemeinsames Gehen so viel verändern kann
Wenn Hunde in passendem Abstand gemeinsam unterwegs sind, entsteht eine andere Situation als bei einer direkten Begrüßung. Sie können einander beobachten, Gerüche aufnehmen und sich an die Anwesenheit des anderen gewöhnen, ohne sofort reagieren zu müssen.
Die Bewegung gibt der Situation Struktur. Niemand steht angespannt herum und wartet darauf, was gleich passiert. Die Hunde haben eine gemeinsame Richtung und dürfen trotzdem ihren eigenen Raum behalten.
Von außen sieht das manchmal wenig spektakulär aus. Kein Rennen, kein Raufen und kein großes Hundekino. Genau darin liegt aber der Wert. Der Hund erlebt, dass ein anderer Hund in seiner Nähe sein kann, ohne dass daraus automatisch Spiel, Streit oder Aufregung entstehen muss.
Kleine Hunde brauchen nicht weniger Abstand
Kleine Hunde werden im Alltag häufig unterschätzt. Sie sehen niedlich aus, lassen sich schnell hochnehmen und sollen möglichst unkompliziert überall dabei sein. Dabei kann die Welt aus ihrer Perspektive ziemlich groß und manchmal auch ziemlich nah sein.
Ein fremder Hund steht schnell direkt vor ihrer Nase. Menschen beugen sich über sie. Fahrräder rauschen vorbei und auf dem Gehweg bleibt kaum Platz zum Ausweichen. Wenn ein kleiner Hund dann bellt oder sich hinter seinem Menschen versteckt, wird das gern belächelt.
Ich finde, auch kleine Hunde dürfen deutlich zeigen, wenn ihnen etwas zu viel wird. Sie brauchen Menschen, die ihre Signale ernst nehmen und rechtzeitig für Abstand sorgen. Das schafft Vertrauen und verhindert, dass aus leiser Unsicherheit irgendwann lauter Protest wird.
Auch der Mensch hat beim Spaziergang etwas zu lernen
Ein geführter Gruppenspaziergang ist nicht nur Training für den Hund. Auch du kannst dabei deinen Blick schärfen.
Wird dein Hund plötzlich langsamer? Schaut er weg? Beginnt er auffällig zu schnüffeln? Wird sein Körper steifer oder die Leine immer kürzer? Solche Veränderungen helfen dir zu erkennen, wie sich dein Hund gerade fühlt.
Gleichzeitig kannst du üben, deinem Hund Orientierung zu geben. Du kannst einen freiwilligen Blickkontakt einfangen und belohnen, die lockere Leine bestätigen oder deinen Hund mit einem Handtouch ruhig durch eine schwierige Situation begleiten.
Es geht nicht darum, deinen Hund ständig zu beschäftigen. Er soll lernen, dass du ansprechbar bist und ihm hilfst, wenn die Umgebung gerade etwas viel wird.
Gruppenspaziergang trifft echtes Stadtleben
Solche geführten Spaziergänge werden häufig Social Walks genannt. Bei Dogs and the City heißen sie „Große Stadt auf kleinen Pfoten“.
Denn wir laufen nicht einfach nur gemeinsam durch einen Park. Jede Edition bekommt ein eigenes Thema und verbindet die kleine Gruppe mit den Herausforderungen des Berliner Alltags.
Wir begegnen anderen Hunden, überqueren Straßen und Fahrradwege, nutzen Treppen oder Aufzüge und bewegen uns durch unterschiedliche Bereiche des Schöneberger Kiezes. Dabei muss nicht jedes Team dieselbe Aufgabe auf dieselbe Weise lösen. Jeder Hund bekommt den Abstand, die Unterstützung und das Tempo, das zu ihm passt.
Direkter Kontakt zwischen den Hunden ist dabei kein Muss. Ein erfolgreicher Walk kann auch bedeuten, dass dein Hund am Ende ruhig in der Nähe der Gruppe laufen kann und zwischendurch immer wieder bei dir eincheckt.
Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit. Für einen aufgeregten, unsicheren oder sehr kontaktfreudigen Hund kann genau das eine ziemlich große Leistung sein.
Gemeinsam unterwegs, ohne etwas beweisen zu müssen
Ein guter Gruppenspaziergang ist kein Wettbewerb um den ruhigsten Hund und auch keine Prüfung für perfekte Leinenführigkeit. Es darf gebellt werden. Es darf Abstand vergrößert werden. Und es darf auch einmal etwas nicht funktionieren.
Entscheidend ist, dass du deinen Hund besser verstehen lernst und ihr gemeinsam gute Erfahrungen sammelt. Schritt für Schritt kann so aus Anspannung mehr Orientierung und aus Unsicherheit mehr Vertrauen entstehen.
Du möchtest mit deinem kleinen Hund dabei sein?
Die aktuellen Editionen von „Große Stadt auf kleinen Pfoten“ und alle Informationen zur Anmeldung findest du unter: