Flusskreuzfahrt mit Hund: Meine Erfahrungen als Hundetrainerin an Bord
Eine Flusskreuzfahrt mit Hund? Ich war selbst sehr gespannt, wie gut das funktionieren würde. Schließlich ist ein Schiff für Hunde eine völlig neue Umgebung. Ungewohnte Geräusche, leichte Vibrationen, schmale Wege, viele fremde Menschen und natürlich jede Menge andere Hunde.
Ich durfte für 1A Vista Reisen gleich zwei siebentägige Flusskreuzfahrten auf der MS Classica als Hundetrainerin begleiten. Die erste Reise führte von Passau nach Wien und wieder zurück. Auf der zweiten Reise ging es von Passau bis nach Bratislava und zurück.
Nach diesen zwei Wochen kann ich sagen: Eine Flusskreuzfahrt mit Hund kann wunderbar funktionieren, wenn die Reise gut auf die Bedürfnisse der Hunde abgestimmt ist und ihre Menschen ihnen ausreichend Sicherheit und Ruhe geben.
Ein Schiff voller Hunde. Kann das gut gehen?
Vor der ersten Reise war ich besonders gespannt darauf, wie die Hunde auf das Leben an Bord reagieren würden. Ein Schiff bewegt sich, der Boden vibriert leicht und auf den teilweise engen Wegen lassen sich Begegnungen mit Menschen oder anderen Hunden nicht immer vermeiden.
Umso mehr hat mich überrascht, wie schnell sich die meisten Hunde auf die neue Umgebung eingelassen haben. Natürlich war bei einigen zunächst etwas Stress oder Unsicherheit zu erkennen. Das ist bei so vielen neuen Eindrücken völlig normal. Häufig legte sich die anfängliche Aufregung aber schon nach kurzer Zeit.
Die Hunde lernten die Wege auf dem Schiff kennen, entwickelten ihre eigenen Routinen und fanden immer besser zur Ruhe. Dabei zeigte sich wieder einmal, wie anpassungsfähig Hunde sein können, wenn ihre Menschen ihnen Orientierung geben und sie nicht mit zu vielen Eindrücken auf einmal überfordern.
Wie hundefreundlich war die MS Classica?
Die Hunde waren auf der MS Classica nicht einfach nur geduldet, sondern als richtige Gäste eingeplant.
In den Kabinen standen bereits Hundebetten beziehungsweise Decken, Futter und Wassernäpfe sowie kleine Willkommensgeschenke bereit. Besonders schön fand ich, dass die Hundedecken nach der Reise mit nach Hause genommen werden durften.
Auf dem Sonnendeck gab es eine eigens eingerichtete Hundewiese. Sogar kleine Bäumchen für die Rüden waren vorhanden. So hatten die Hunde auch während längerer Fahrtzeiten die Möglichkeit, sich zu lösen.
Mit Ausnahme des Wellnessbereichs durften die Hunde ihre Menschen in alle öffentlichen Bereiche begleiten. Sie waren sowohl im Salon als auch im Restaurant willkommen. Gerade im Restaurant war es natürlich hilfreich, wenn die Hunde bereits gelernt hatten, auf einer Decke zur Ruhe zu kommen. Zwischen Gesprächen, vorbeilaufenden Menschen, anderen Hunden und Essensgerüchen ist das keine Selbstverständlichkeit.
Sehr angenehm war außerdem, dass das Schiff nachts immer an einem Anleger lag. So konnten die Hunde am Abend noch einmal in Ruhe ausgeführt werden. Auch der Morgenspaziergang fand an Land statt.
Jeden Tag eine neue Umgebung, aber immer dieselbe Kabine
Für mich liegt darin einer der größten Vorteile einer Flusskreuzfahrt mit Hund. Die Landschaft verändert sich jeden Tag, während die eigene Kabine als vertrauter Rückzugsort erhalten bleibt.
Man muss nicht ständig die Koffer packen, lange Strecken mit dem Auto zurücklegen oder den Hund immer wieder an ein neues Hotelzimmer gewöhnen. Stattdessen reist das vertraute Zimmer einfach mit.
Die Fahrtzeiten zwischen den einzelnen Stopps waren bewusst überschaubar geplant. Bei den Landgängen blieb ausreichend Zeit für gemeinsame Spaziergänge am Flussufer und zum Erkunden der jeweiligen Umgebung.
Ich begleitete die hundefreundlichen Ausflüge und Landgänge. Dazu gehörten auch Besuche auf Hundewiesen oder in geeigneten Parks. Dort konnten sich die Hunde bewegen, neue Eindrücke sammeln und natürlich in Ruhe ihre Geschäfte erledigen.
Hundetraining an Bord und an Land
Während beider Reisen bot ich täglich kostenfreie Trainingseinheiten an. Trainiert wurde sowohl auf dem Sonnendeck als auch bei den gemeinsamen Landgängen.
Zu den Trainingsinhalten gehörten Bordtraining für enge Wege, Treppen und Begegnungen auf dem Schiff, Begegnungstraining mit anderen Hunden, Deckentraining für entspannte Restaurantbesuche und Leinenführigkeit für die Landgänge.
Auch Maulkorbtraining gehörte dazu, da in öffentlichen Verkehrsmitteln in Österreich je nach Situation eine Maulkorbpflicht bestehen kann. Ergänzt wurde das Angebot durch kleine Tricks, Beschäftigungsideen sowie Einheiten mit Spiel und Spaß.
Am Nachmittag oder Abend gab es zusätzlich Hundewissen in Form von Spielen und Quizrunden.
Mir war wichtig, dass das Training nicht als starres Pflichtprogramm wahrgenommen wurde. Mensch und Hund sollten gemeinsam lernen, kleine Erfolgserlebnisse haben und vor allem Freude miteinander erleben.
Viele Übungen konnten unmittelbar in den Reisealltag übernommen werden. Genau das machte das Training so sinnvoll. Es ging nicht um perfekte Signale auf einem Trainingsplatz, sondern um konkrete Lösungen für den Alltag an Bord, im Restaurant und während der Ausflüge.
Ruhe war genauso wichtig wie Beschäftigung
Eine hundefreundliche Reise bedeutet nicht, dass der Hund den ganzen Tag beschäftigt werden muss. Die vielen neuen Eindrücke waren für die Hunde anstrengend, auch wenn man ihnen das nicht immer sofort ansah.
Deshalb waren ausreichende Ruhezeiten besonders wichtig. Nicht jeder Hund musste an jedem Programmpunkt teilnehmen. Manchmal war es die bessere Entscheidung, den Hund in der Kabine schlafen zu lassen oder ihm einen ruhigen Tag zu ermöglichen.
Gerade in einer ungewohnten Umgebung brauchen Hunde Zeit, um Erlebtes zu verarbeiten. Training, Spaziergänge und gemeinsame Ausflüge sind schön. Schlaf und Rückzug gehören aber genauso zu einer gelungenen Reise.
Für welche Hunde eignet sich eine Flusskreuzfahrt?
Eine solche Reise eignet sich besonders für sozialverträgliche Hunde, die mit der Nähe zu fremden Menschen und anderen Hunden grundsätzlich umgehen können. Sie sollten stubenrein sein und in einer Kabine zur Ruhe kommen können.
Für Hunde, die in engen Situationen schnell stark gestresst reagieren oder große Schwierigkeiten mit anderen Hunden haben, ist diese Form des Reisens vermutlich weniger geeignet. Auf einem Schiff lassen sich Begegnungen nicht immer weiträumig umgehen.
Auch die Größe des Hundes spielt eine Rolle. Bei 1A Vista Reisen darf pro Kabine ein Hund mit einer Schulterhöhe bis 50 Zentimeter oder einem Gewicht bis 25 Kilogramm mitreisen. Der Hund darf lediglich nicht beide Grenzen überschreiten. Reisen zwei Hunde in einer Kabine mit, müssen beide jeweils unter etwa 30 Zentimeter Schulterhöhe bleiben.
Bestimmte Hunderassen, die nach der Hundeverordnung des Landes Nordrhein Westfalen als gefährlich eingestuft werden, können nicht mitgenommen werden. Läufige Hündinnen können ebenfalls von der Reise ausgeschlossen werden, wenn der Ablauf an Bord dadurch deutlich beeinträchtigt würde.
Vor der Buchung sollten die aktuellen Bedingungen immer direkt beim Reiseveranstalter geprüft werden.
Was gehört ins Reisegepäck?
Jeder Hund benötigt einen EU Heimtierausweis, eine gültige Tollwutimpfung und einen Mikrochip zur Identifikation. Auch eine gültige Hundehaftpflichtversicherung sollte vorhanden sein.
Ein gut sitzender Maulkorb gehört für mich ebenfalls ins Reisegepäck. In öffentlichen Verkehrsmitteln oder an bestimmten Ausflugszielen kann eine Maulkorbpflicht gelten. Der Hund sollte den Maulkorb deshalb schon vor der Reise kleinschrittig und positiv kennengelernt haben.
Trotz der guten Ausstattung in der Kabine würde ich außerdem immer eine vertraute Decke oder ein kleines Liegekissen mitnehmen. Der eigene Geruch kann dem Hund helfen, in der ungewohnten Umgebung schneller zur Ruhe zu kommen.
Mein persönliches Fazit
Ich würde jederzeit selbst eine solche Flusskreuzfahrt mit Hund machen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie schnell sich die Hunde an das Leben auf dem Schiff gewöhnt haben. Aus anfänglicher Aufregung wurden vertraute Abläufe. Viele Hunde wussten schon nach kurzer Zeit genau, wo ihre Kabine lag, wann es zum Training ging und an welchem Ort sie besonders gut entspannen konnten.
Natürlich müssen auch auf einer hundefreundlichen Kreuzfahrt die individuellen Bedürfnisse des eigenen Hundes im Mittelpunkt stehen. Ausreichend Schlaf, Rückzugsmöglichkeiten und Pausen sind mindestens genauso wichtig wie Training und Ausflüge.
Für mich waren diese beiden Reisen nicht nur fachlich eine besondere Erfahrung. Ich habe viele herzliche Menschen kennengelernt und durfte ganz unterschiedliche Mensch Hund Teams begleiten. Einige Begegnungen und vor allem einige der wunderbaren Hunde werden mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Eine Flusskreuzfahrt mit Hund verbindet wechselnde Landschaften und neue Erlebnisse mit einem festen Rückzugsort. Wenn der Hund sozialverträglich ist, sich auf neue Situationen einlassen kann und seine Ruhezeiten bekommt, kann daraus ein ganz besonderer und entspannter Urlaub für Mensch und Hund werden.
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